Interview mit dem Permakultur Designer Rico Horn

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JB: Kannst Du Dich kurz vorstellen?
RH: Georg Friedrich Horn. Genannt werde ich Rico.

© Robert Schlossnickel

JB: Wie wurdest Du Permakulturgestalter? 

RH: Diese Entwicklung begann in den 80er auf den Kanaren und bewegt sich auf ganz natürliche Weise in Richtung Agrarökologie. 

JB: Erzähl’ uns ein wenig von Deinem Geburtsort Teneriffa

RH: Tenerife ist eine umwerfend schöne Insel. Auf ihr kann man an einem Tag tropische, subtropische bis hochalpine Klimata erleben. Morgens am Meer baden, dann rauf in die Berge inklusive Schneeballschlacht und dann zum Auftauen wieder an den Strand.
Es ist eine der glückseligen Inseln. So wurden sie von den Konquistadoren beschrieben. Ein Paradies mit freundlichen, stolzen Ureinwohnern.  
Das ist über 500 Jahre her und seit dem ist viel passiert. Heute sind viele der traditionellen Anbaumethoden vergessen und wenige Menschen arbeiten noch in der Landwirtschaft. Diese erodiert, und das Ausmass der Verwüstung der Landschaft durch Bodenerosion ist schwer zu quantifizieren. Liegt jedoch zwischen 15 und 50 Tonnen pro Jahr und Hektar.

Heute sind die Insulaner hauptsächlich vom Tourismus abhängig (13-14 Millionen Touristen jährlich vor Covid). Das tut weh. Diese Entwicklung setzt die Zukunft kommender Generationen aufs Spiel. 

Covid hat uns auf den Kanaren gezeigt, was es bedeutet, Tourismus als Haupteinnahmequelle zu haben und praktisch keine eigene Landwirtschaft zu betreiben. 

JB: An welchem/n Projekten arbeitest Du gerade? 

RH: Hier in Hamburg koordiniere ich ein Netzwerk von urbanen Gärten. U.a. ein mir sehr wichtiges: der „Marmorgarten.“ Ein in St. Georg sich entwickelnder Klimagarten in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg. In diesem skalierten Agroforstsystem zeigen wir, wie mit Klimawandel vor der eigenen Haustür kreativ umgegangen werden kann. 


Auf den Kanaren bin ich auch mit viel Energie dabei. Im Moment sehr konzentriert auf Fuerteventura. Ich berate zusammen mit meiner Frau Celine verschiedene Fincas sowie die Regierung der Insel. Unsere Aufmerksamkeit widmen wir dem Thema Bodenfruchtbarkeit und der Wiederherstellung der Agrarlandschaft. Aber auch Kunst und Natur werden auf natürliche Art und Weise miteinander verbunden. 

 

Ich fühle mich als Vermittler einer guten Nachricht: die Wüste kann begrünt werden, die Verwüstung gestoppt und die vermittelten Ansätze sind somit auch enkeltauglich!


Ansonsten berate ich international Projekte auf dem spanischen Festland, den Kanaren, Ägypten, auf Mauritius, Tanzania und Bolivien. 

JB: Wo siehst’ Du Dich in 5 Jahren?

RH: Ich sehe meine Familie und mich auf einem Stück Land leben. Geschützt vor Spekulation und wo das was wir jetzt machen weiterentwickelt werden kann -  Lernort und interkulturelle Begegnungsstätte enkeltauglich übergeben werden kann. 

JB: Was macht Dich glücklich? 
RH: Meine Finger in die Erde zu stecken!

JB: Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Rico Horn aus?

RH: Mein Tag beginnt sehr früh und viele Male mit einem großen Teller Pasta, Gemüse, Ziegenkäse und kaltgepresstem Bio Oliven Öl. In der hellen Jahreszeit noch früher. Ich kann es kaum erwarten loszulegen und mich den Projekten vor allem auf der Umsetzungsebene zu widmen. Wir haben viele Projekte in der Stadt Hamburg. Die wollen erledigt werden.

JB: Was fällt Dir zu folgenden Stichwörtern ein?

- Musik: Ich liebe Musik - Jazz, Funk, Ethno, aber auch Klassik. Im Moment jedoch sehr wenig. Hin und wieder gerne "Hang Massive" 

-Vorbilder: Holmgren, Kjell Arman, Gilles Lemieux. Alle naturverbundenen Völker dieses Planeten, die einen respektvollen Umgang mit unserem Planeten verstanden haben. 

- Flow: Die Entwicklung des Lebendigen wahrnehmen. Das Eintauchen in die Räume, ein Teil von ihnen zu sein. 

- Inspiration: Finde ich in der täglichen Auseinandersetzung mit den Elementen, Erde, Wasser, Wind und Licht .  

- Abenteuer: Ja, das ist mein Leben

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