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Artikel: Vom Maschinenschlosser zum Modemacher

Vom Maschinenschlosser zum Modemacher

Vom Maschinenschlosser zum Modemacher

Wir möchten Euch heute unseren langjährigen Produzenten Josef Koch vorstellen und Euch einen interessanten Einblick in sein Leben und seine Arbeit geben. 


JB: Viel spannendes liegt vor uns, tolle neue Produkte entstehen und es war dringend an der Zeit, dass wir mal ein Interview mit Dir führen. Zu Beginn - Josef, kannst du dich in ein paar Sätzen kurz vorstellen?

Josef: Ich bin Josef von JOKO Design, eine Dienstleistungs GmbH mit Sitz in Kassel, welche die Entwicklung sowie Produktion für Produkte der Bekleidungsindustrie umsetzt. Dies machen wir für Modelabels und Startups aus verschiedenen Bereichen, unter anderem produzieren wir auch Arbeits-, und Schutzbekleidung. Eigentlich gibt es aber nichts, was wir nicht machen - seit 20 Jahren arbeitet JOKO Design für nationale und auch internationale Kunden.

JB: Wie wurdest Du denn eigentlich zum Modeproduzent?

Josef: Meine Anfänge waren eher als Entwickler… Als ich vor 20 Jahren das Unternehmen gegründet habe, waren die ersten Schritte sehr darauf ausgerichtet, die Modeindustrie in den Bereichen Schnitt und Produktionsvorbereitung zu unterstützen. Nach und nach sind wir dann als Unternehmen gewachsen. Mittlerweile habe ich neben 17 Festangestellten hier in Kassel auch eine Näherei und eine Abteilung für die Produktentwicklung. Alles, was hier entwickelt wird, wird sofort in der Näherei umgesetzt - da kam dann schnell die Frage auf, ob wir nicht auch in die Produktion einsteigen. Damit haben wir dann vor 17 Jahren in Polen begonnen und inzwischen arbeiten dort ca. 120 Näher*innen für JOKO Design. Die Zusammenarbeit ist sehr zuverlässig und von hoher Qualität - und auch unsere Kunden sind sehr zufrieden.

JB: Das klingt spannend. Du hast ja auch ein paar Firmen vor dem Ruin gerettet, richtig?

Josef: Ja, das stimmt. In Deutschland ist die Bekleidungsindustrie ja total geschrumpft. Es wird so gut wie gar nicht mehr in diesem Bereich ausgebildet - und betrieblich noch weniger. Bei JOKO Design bilden wir seit einigen Jahren auch sehr erfolgreich Modeschneiderinnen aus - Viele machen danach eine Weiterbildung zur Schnittdirektrice oder Designerin. In Polen ist die Situation ähnlich, es gibt nahezu keine Ausbildungsplätze für Schneider*innen, wenn überhaupt werden sie vielleicht in einigen Betrieben lediglich angelernt. Die polnischen Unternehmen erleben natürlich auch einen enormen Preisdruck, der durch Corona nochmal stärker wurde. Vor allem in den letzten Jahren habe ich von vielen Unternehmen mitbekommen, die sich leider vom Markt verabschieden mussten. Wer einmal aus der Bekleidungsindustrie verschwindet, kommt leider so schnell auch nicht zurück… deshalb habe ich in den letzten beiden Jahren bei drei Unternehmen etwas unter die Arme gegriffen, alle Inhabergeführt, die ich dann dazu bewegen konnte, nicht aufzugeben - und für JOKO Design weiter zu arbeiten. Das war echt eine gute Erfahrung für mich - aber auch für die polnischen Unternehmen. Dadurch ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, indem wir uns gegenseitig unterstützen und aushelfen. Durch diese neue Flexibilität kann ich nun auch ganz anders auf dem Markt für meine Labels und Kunden reagieren. Ich kann gute Qualität und Zuverlässigkeit meinen Kunden gegenüber garantieren. Das ist echt eine tolle Erfahrung - und unsere Kunden sind sehr zufrieden mit all dem, was wir gemeinsam vorantreiben.

JB: Also wir sind extrem zufrieden. Jetzt interessiert uns natürlich auch noch total, was du vor JOKO Design gemacht hast.

Josef: Ja, ich habe schon sehr viel gemacht… ich bin ja schon ganz schön alt dann hat man auch schon einige Erfahrungen gesammelt. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht, wo ich aber schon relativ schnell gemerkt habe, dass es so gar nicht mein Ding ist. Trotzdem habe ich die Ausbildung nach 3 1/2 Jahren gut beendet und dann sogar ein Jahr in dem Beruf gearbeitet. Danach ging es dann zur Bundeswehr. Geplant waren zu Anfang nur 15 Monate, daraus sind dann aber auf einmal etwas mehr als zehn Jahre geworden. Innerhalb der Bundeswehr hatte ich dann tatsächlich gute Möglichkeiten zur Weiterbildung als Fahrlehrer und konnte auch schon während der Zeit dort privat als Fahrlehrer arbeiten. Das war für mich eine tolle Erfahrung. Nach der Bundeswehr habe ich dann einen ganz neuen Weg eingeschlagen und als erster Soldat eine Ausbildung zum Schneider gemacht. Natürlich haben mich alle für verrückt erklärt, aber ich habe mir einfach nicht zu viele Gedanken darüber gemacht. Es war einfach mein Verlangen, Schneider zu werden, um mir meine eigenen Klamotten zu schneidern. Meine vierjährige Ausbildung war wirklich super. Danach habe ich dann die Modeschule besucht, die wie auch die Ausbildung, von der Bundeswehr bezahlt wurde. Außerdem habe ich mein Bundeswehrgehalt weiterhin bekommen und konnte zwei Wohnungen führen. Durch diese Möglichkeiten konnte ich mich sehr gut weiterbilden. Als ich die Ausbildung dann abgeschlossen hatte, habe ich nach Arbeit als Modellmacher gesucht. Verschiedene Firmen wollten mich sofort einstellen und ich habe mich dann für eine Sportswear Firma entschieden. Dort war ich dann ziemlich schnell auch stellvertretender technischer Leiter und konnte so viel Auslandserfahrung in verschiedenen Betrieben in Asien und Osteuropa sammeln.

JB: Darf man fragen welche Firma das war?

Josef: Das war zur damaligen Zeit die Firma Brandt Sportive Mode GmbH aus Kassel. Doch ich bekam dann ein anderes Angebot und wechselte als leitender Modemacher zu Karl Lagerfeld und war für die klassischen Anzüge und Mäntel verantwortlich. Danach wurde ich für das Label Daniel Hecht in Miltenberg am Main eingestellt. Nach zwei Jahren habe ich dort gekündigt und bin wieder zurück zu meiner Familie nach Kassel gezogen. Dann kam der Wunsch auf, mich selbstständig zu machen. Erneut hielt man mich für verrückt, denn es war Anfang bzw. Mitte der 90er Jahre wirklich nicht einfach, sich in der Bekleidungsindustrie mit Familie selbstständig zu machen. Ich habe dann jedoch ein Angebot von einem Konzern bekommen, die Leitung der Modellabteilung von Modehersteller Pierre Cardin zu übernehmen. Dort habe ich dann für zwei Jahre gearbeitet. Danach kam erneut die Frage auf, wie es weitergeht. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich mich hingesetzt und den Entschluss getroffen, mich selbstständig zu machen. Und dann gab es echt viele schöne Zufälle, es hat einfach alles gepasst. Eine wirklich schöne Sache ist, dass ich ja in Kassel Niederzwehren wohne, das ist die Herkunft vieler Märchen der Gebrüder Grimm. Dort gibt es die Straße “Märchenweg”, in der dann auch meine erste Firma lag. Angefangen habe ich mit einer Näherin, nach drei Jahren haben wir uns dann vergrößert und sind in ein anderes Gebäude umgezogen, wo wir dann mit 13 Personen gearbeitet haben. Danach gab es noch einen Umzug in die jetzigen Räumlichkeiten. Ja, so sind fast 20 Jahre vergangen und ich muss sagen, ich habe diesen Weg nie bereut. Ich kann es nur jedem empfehlen, seinen Weg zu gehen und das zu machen, was man für richtig empfindet. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, ohne Ellbogendenken zu handeln, um ein angenehmes Leben zu führen. Ja, soweit der Einblick in meinen beruflichen Werdegang.

JB: Danke, wirklich sehr spannende Einblicke! Wie sieht denn eigentlich so ein Tag im Leben von Josef Koch aus?

Josef: Ja, sehr spannend. Bei mir ist echt viel los, alle halbe Stunde passiert etwas neues. Es ist immer interessant, vielfältig und einfach toll, mit vielen jungen Menschen zusammenzuarbeiten. Ich bin außerdem viel im Ausland unterwegs und habe ein tolles Team, auf die ich mich einfach total verlassen kann und die mir den Rücken frei halten. 70% meiner Arbeitszeit besteht aus telefonieren, Mails beantworten, Gesprächen mit Kunden oder der Produktion und Verhandlungen führen. Ab und zu haben wir auch Kunden zu Besuch, wie z.B. euch die letzten beiden Tage - und gemeinsam kümmert man sich um neue Konzepte und Ideen. Also ja, es ist immer etwas los.

JB: Ja, das ist schön! Was macht Dich denn glücklich?

Josef: Glücklich macht mich vor allem, dass ich gesund bin. Und das ich Familie in meinem Beruf integrieren kann. Ja, dass ich mein Leben so gestalten kann, wie ich es mir vorstelle und dass ich dabei auch sehr vielen Menschen eine gewisse Zufriedenheit und Gelassenheit geben kann.

JB: Du lebst in Kassel. Erzähl uns ein bisschen was von Kassel.

Josef: Ja, Kassel, liegt ziemlich mittig in Deutschland, das ist für mich echt optimal. In Kassel gab es früher sehr viele Bekleidungsfirmen, doch es ist nicht mehr viel übrig. Ich bin inzwischen das größte Bekleidungsunternehmen in Nordhessen und es ist echt schade, das dieser schöne Beruf so ausstirbt. In der Bekleidungsindustrie sind Preise und Löhne ständig Thema, in Deutschland ist die Bekleidungsbranche fast ausgestorben. Ich hoffe, dass es in Zukunft wieder mehr junge Menschen gibt, die diesen Weg einschlagen, um etwas vorwärts zu bringen. Das kann ich auch bei meinen Kunden beobachten, wo viele junge Menschen involviert sind. Leider fehlt hier auch einfach staatliche finanzielle Unterstützung. Und auch generell mangelt es in diesem Bereich echt an Unterstützung. Man muss einfach auch viel Glück haben. Ja, Kassel ist eine sehr schöne Stadt, die Raummieten sowie auch die Lebenshaltungskosten sind erschwinglich. Auch die vielen jungen Menschen durch die Universität tun der Stadt gut. Alle fünf Jahre findet hier auch die bekannte Documenta - eine Ausstellung für zeitgenössische Kunst, statt. Es gibt den tollen Bergpark und die Karlsaue. Für mich ist es einfach grandios, hier zu leben. Meine Wege zur Arbeit gehe ich seit meiner Selbstständigkeit alle zu Fuß, diese Spaziergänge schätze ich sehr, denn ich gehe immer schöne Wege und erfreue mich an allem, was ich hier jeden Tag wahrnehme.

JB: Jetzt ist ja Nachhaltigkeit schon ein ziemlich abgedroschenes Wort. Aber wie definierst Du Nachhaltigkeit, besonders in der Textilbranche oder auch in Deinem Unternehmen und in der Zusammenarbeit mit Deinen Kunden?

Josef: Ich habe das große Glück, seit 18 Jahren mit dem Warenhaus Manufactum zusammenzuarbeiten, die eben auch nachhaltige Mode anbieten. All das, was sich heute die großen Modemarken auf die Fahne schreiben über Nachhaltigkeit, Bio und so weiter - das haben wir schon vor 18 Jahren umgesetzt, ohne es groß umher zu posaunen. Ich versuche außerdem, primär mit Unternehmen aus Deutschland und Europa zusammenzuarbeiten. Aber ich habe auch Partner in Asien, wo ich dann jedoch großen Wert auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz lege. Upcycling Produkte sind für mich auch nichts neues - schon oft haben wir Waren aufgekauft und ihnen ein neues Leben geschenkt. Heute bin ich manchmal skeptisch, wenn ich die ganzen Nachhaltigkeitsbegriffe lese, mit denen sich die Modelabels schmücken. Wir gehen unseren Weg, die anderen gehen ihren. Ich bin bisher total zufrieden mit unserem Weg, denn ich kann jeden Abend guten Gewissens in den Spiegel schauen und zu 100% hinter allem stehe, was ich mache. Aber man darf nicht aufhören, Dinge zu hinterfragen. Wobei ich den Eindruck habe, dass die junge Generation das schon ganz gut macht - man sieht ja, was auf den Straßen los ist. Da sehe ich großes Potential, Dingen auf den Zahn zu fühlen und nicht gleich alles hinzunehmen, wie, wo, wer mit wem umgeht.

JB: Das ist fast schon ein schöner Schlusssatz. Ich habe noch ein paar Stichwörter, wo du einfach ganz kurz und knapp antworten kannst. Was fällt dir zur Musik ein? Allgemein Musik.

Josef: Spannend. Ich höre sehr viel Musik, in alle Richtungen. Alles muss zum Zeitpunkt passen - von Hardrock über Klassik. Das ist ganz egal, hauptsache es berauscht und belebt mich.

JB: Vorbilder.

Josef: Vorbilder. Da gibt es viele. Das geht über Gandhi… bis hin zu einigen Politikern, die auch gute Vorsätze haben, und versuchen, diese zu leben. Es gibt finde ich sehr viele Vorbilder, denen man nacheifern kann.

JB: Flow. Wann bist du so richtig im Flow, so richtig Ausgeglichen?

Josef: Am ausgeglichensten bin ich, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe.

JB: Inspiration?

Josef: Ich finde Menschen unglaublich inspirierend. Gerne setzte ich mich auf Parkbänke und beobachte einfach nur. Ich gehe gerne in Gaststätten, Kneipen oder einfach durch die Straßen. Beim Spazierengehen, suche ich immer neue Wege und lasse mich von den Eindrücken inspirieren. Das ist dann manchmal sogar fast schon zu viel.

JB: Letztes Stichwort  - Abenteuer.

Josef: Für Abenteuer bin ich immer zu haben! Ja, ich erlebe so viele Abenteuer. Ein guter Freund und ich fahren oft zusammen nach Polen, da erleben wir immer etwas! Selbst wenn wir einfach nur für Stunden durch irgendwelche Wälder fahren - wir haben etwas Neues erlebt und gesehen - und das ist einfach spannend.

JB: Wir haben auch schon einige Abenteuer gemeinsam erlebt, richtig?

Josef: Ja das stimmt! Das Abenteuer ist super, super schön. Es ist einfach toll, mit euch zusammenzuarbeiten und das macht es auch aus, dass wir so schöne Produkte entwickelt haben. Und ich denke, das schätzen und genießen auch eure Kunden.

JB: Absolut, das sehen wir ganz genauso. Wir sind total froh, dich als Partner zu haben, es ist wirklich eine tolle Zusammenarbeit und ohne dich wären wir auf keinen Fall an dem Punkt, wo wir jetzt sind. Ganz lieben Dank Joseph - auch für das nette Gespräch!

Josef: Ja, euch auch vielen Dank!

Mehr Informationen über Josef und seine Arbeit findet ihr auf www.joko-online.de

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